Wenn von Kampfkunst die Rede ist, so sind meistens traditionelle asiatische Stile gemeint, die gemeinhin unter dem Begriff “Budo” (= Weg des Kriegers, jap.) zusammengefasst werden. Doch selbstverständlich gibt es auch aus anderen Teilen der Welt Kampfkünste, etwa das brasilianische “Capoeira”. Zudem gibt es viele moderne Selbstverteidigungssysteme und diverse Kampfsportarten.

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem weit gefassten Feld zwischen traditioneller Kampfkunst und moderner Selbstverteidigung bedarf daher sinnvoller Weise einer  Differenzierung. Sie trägt zur Ăśbersichtlichkeit bei und kann uns die Möglichkeit einer systematischen Zuordnung verschiedener Stile und Systeme erschlieĂźen. Nehmen wir folglich eine Einteilung vor und betrachten zunächst, was sich hinter Oberbegriffen wie Kampfkunst, Kampfsport und Selbstverteidigung verbirgt:

Die folgende Unterteilung in Kampfkunst, Kampfsport und Selbstverteidigung stellt natürlich nur ein grobes Raster dar, gemeinsame Wurzeln und Schnittmengen bzw. fließende Übergänge zwischen den Begriffen bzw. BUDO - Stilen sind selbstredend und brauchen hier wohl nicht eingehender erläutert werden.

 

Kampfkunst

Unter Kampfkunst lassen sich im Wesentlichen die Systeme bzw. Schulen zusammenfassen, die dem philosophischen Gedanken des „Do“ (jap. „Weg“, bzw. chin. „Tao“) folgen. Das Üben der Kampfkunst als „Weg der Selbstvervollkommnung“, der Harmonisierung zwischen Körper und Geist.

Zumeist traditionelle Schulen mit klar umrissenem Technikrepertoire, in denen Etikette und tugendhaftes Verhalten (Respekt, Achtsamkeit etc.) eine wichtige Rolle spielen.

Wettkämpfe sind von eher untergeordneter Bedeutung.

Typische Beispiele: Japan: Aikido, Karate-Do, Jiu Jitsu, Korea: Hapkido, Tae Kwon Do, China: Gong Fu, Tai Chi Chuan

                                                

Kampfsport

Allgemein Wettkampf orientierte Systeme, die im Idealfall unter dem Gebot der „sportlichen Fairness“ stehen. In einigen Bereichen zwar noch rudimentäre Etikette, aber auf physische Fitness und Erfolg ausgerichtet. Im Training z. T. auf „Spezialisierung“ hinwirkend, damit einhergehend Gefahr der Vernachlässigung wichtiger weiterer Aspekte.

Kampfsport hat stets definiertes Regelwerk (zulässige Techniken, Bewertungssysteme etc.)

Im Blick auf Training und Wettkampf ist hier noch eine Unterteilung angezeigt in „Comment-Kämpfe“ (vergleichender, partnerschaftlicher Wettkampf, achtsamer Umgang mit dem Gegner bzw. Partner, Vermeidung von Schäden und Verletzungen, Kontrolle des Gegners durch entsprechendes Technikrepertoire, z. B. „Judo“) und „Beschädigungskämpfe“ (mit der Absicht, den Gegner möglichst durch „Knock out“ zu bezwingen, z. B. Thaiboxen.)*

Die Unterscheidung zwischen Comment- und Beschädigungskampf ist von besonderer Bedeutung für die Präventionsarbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen bzw. allgemein Menschen, die zu Jähzorn und Gewalttätigkeit neigen. Für diese Menschen bietet sich eher das Trainieren der „Kampfkunst“ als lebensbegleitender Weg an, Wettkämpfe sollten hier nur im „Comment“-Bereich erfolgen.

                                              

Selbstverteidigung

Zeitgemäße Selbstverteidigungssysteme haben häufig ihre Wurzeln in den traditionellen KampfkĂĽnsten und dem Kampfsport.  Die Zielrichtung ist hier jedoch ganz klar gegenwarts- und praxisorientiert: Im Notfall auf einen Angriff effiziente Gegenwehr zu leisten.  Moderne Selbstverteidigung ist flexibel und greift auf, was sinnvoll einsetzbar ist. Da sportliche Fairness und die passende „Gewichtsklasse“ bei einer Attacke  â€žauf der Strasse“  nicht  zu erwarten  ist  wird zumeist  Wert auf einfache, wirksame Techniken gelegt, die unter Stress schnell genug „abrufbar“ sind und damit eine realistische Notwehroption bieten können.

Moderne SV-Systeme kennen zumeist wenig Etikette, jedoch wird das Einhalten des allgemeinen Kodex von gegenseitigem Respekt schon vor dem Hintergrund notwendiger Achtsamkeit (z. B. im Umgang mit Waffen) von vielen Trainern gerne gesehen.

                                                    

 

Im Blick auf asiatische Systeme haben Kampkunst, Kampfsport und die Mehrzahl der Selbstverteidigungssysteme gemeinsam, dass sie PrĂĽfungen und Graduierung beinhalten (daher die unterschiedlichen Gurtfarben, bunte SchĂĽlergĂĽrtel und schwarze (auch rotschwarze, rote oder rotweiĂźe) MeistergĂĽrtel.